Erfolgsgeschichte als Aufsteiger: Floorballer mit starker Bundesliga-Saison | Dramatisches Halbfinale gegen MFBC

Spielten eine bemerkenswerte Saison: die Floorballer um Kapitän Julius Ondruschka (Mitte), Jussi Hakala (l.) und Tobias Klamt. Foto: Laura Römer
Was für eine Saison! Die Floorballer des SC DHfK Leipzig haben in ihrer ersten Spielzeit in der 1. Bundesliga ein echtes Ausrufezeichen gesetzt. Als Aufsteiger führte das junge Team nach der Hinrunde die Tabelle an, kämpfte sich ins Playoff-Halbfinale vor und lieferte sich dort eine hochspannende Best-of-5-Serie mit dem Favoriten des MFBC Leipzig. Ein Rückblick auf eine bemerkenswerte Saison und die Entwicklung des Floorballs beim SC DHfK.
Leipzig. Es ist eine Saison, die den Floorballern des SC DHfK Leipzig und ihren Fans definitiv in Erinnerung bleiben wird. Gekrönt mit einem Saisonende, das Alfred Hitchcock in einem Krimi nicht spannender hätte schreiben können.
Ein Halbfinale, das in Erinnerung bleibt
Wir befinden uns im vorletzten Kapitel: Das entscheidende Playoff-Halbfinalspiel gegen den MFBC Leipzig steht an. Die Frage: Reicht es noch für das letzte Kapitel, das große Finale? Der Schauplatz: Eine ausverkaufte Sporthalle Brüderstraße, geteilt in zwei leidenschaftliche Fanlager. Grün-weiß für den SC DHfK, rot-schwarz für den MFBC. Die Atmosphäre: laut, emotional, elektrisierend – eine würdige Kulisse für ein Stadtderby auf höchstem Niveau.
Doch bevor wir in das Spiel springen, lohnt sich ein Blick zurück: Vier Spiele hatten beide Teams in der Best-of-5-Serie bereits absolviert. Nach zwei Niederlagen (4:6, 2:4) stand der SC DHfK mit dem Rücken zur Wand. Der MFBC brauchte nur noch einen Sieg. Doch das junge Leipziger Team zeigte eindrucksvoll, warum es zu den Überraschungen der Saison zählt.
Vor heimischer Kulisse in der Sporthalle Rabet gelang die Wende: Mit zwei leidenschaftlichen Siegen (6:2, 5:4) glich der SC DHfK die Serie zum 2:2 aus. Die Entscheidung musste also in Spiel 5 fallen.

Emotionen pur in der ausverkauften beim Halbfinalkrimi zwischen dem SC DHfK und MFBC Leipzig. Foto: Stefan Puttnins
Der SC DHfK startete stark, führte nach einem umkämpften ersten Drittel mit 1:0 und spielte sich im zweiten Abschnitt in einen Flow – zwischenzeitlich stand es 5:0. Die Tür zum Finale war weit geöffnet. Doch der MFBC startete im Schlussdrittel mit all seiner Erfahrung eine beeindruckende Aufholjagd, glich zum 6:6 aus und erzielte eine Minute vor Schluss den entscheidenden Treffer zum 7:6.
Die Enttäuschung war riesig – der Finaleinzug zum Greifen nah. Doch mit etwas Abstand überwog der Stolz auf eine außergewöhnliche Leistung.
Große Enttäuschung nach dramatischem Spielverlauf
Fünf Tage nach dem Spiel beschreibt Cheftrainer Ruben Seilnacht, der das Team gemeinsam mit Co-Trainer Nicolas Kujat durch die Saison führte, seine Gefühlslage so: „In den ersten ein, zwei Tagen danach habe ich mir viele ‚Was wäre gewesen, wenn…‘-Fragen gestellt. Als Trainerteam sind wir da sehr selbstkritisch und fragen uns, wie wir den Jungs im letzten Drittel mehr hätten helfen können. So eine hohe Führung hatten wir in der Saison nur einmal – entsprechend fehlten uns an dieser Stelle definitiv ein Stück weit gut eingespielte Abläufe, taktisch aber vor allem auch psychologisch“, sagt Seilnacht und führt fort, „wir wollen im nächsten Jahr beweisen, dass wir unsere Enttäuschung jetzt als entscheidenden Antrieb bei unserer nächsten großen Bewährungsprobe einsetzen werden.“
Junge Eigengewächse, gezielte Verstärkungen
Die knappe Niederlage schmälert die starke Saison der Floorballer jedoch in keiner Weise. Dass das junge SC DHfK-Team überhaupt in diese Situation kam, bewerten Seilnacht und Abteilungsleiter Toni Schnelle als großen Entwicklungsschritt: „Wenn uns jemand im vergangenen Sommer gesagt hätte, dass wir als Aufsteiger so eine Saison spielen und so weit kommen werden, hätten wir sofort unterschrieben.“
Dass viel Potenzial in ihrem Team steckt, wussten jedoch beide. Vor allem die Mischung aus vielen Eigengewächsen aus der erfolgreichen Nachwuchsarbeit und gezielten Verstärkungen aus Finnland und Tschechien erwies sich als ein Erfolgsfaktor. „Wir haben vor der Saison erstmals gezielt Spieler gescoutet“, erklärt Toni Schnelle. Mit den Top-Scorern Juuso Suotula, Jussi Hakala und Tuomas Hirn aus Finnland und dem Tschechen Lukáš Lhota gelangen wichtige Verpflichtungen.
- Finnische Power: Mit Juuso Suotula,
- Tuomas Hirn
- und Jussi Hakala gelangen dem SC DHfK gezielte Verstärkungen. Fotos: Laura Römer
Starker Start, schwierige Rückrunde – und gereift in die PlayoffsBereits in der Saisonvorbereitung habe sich dann angedeutet, dass mehr möglich sein könnte. Und tatsächlich beendete der SC DHfK die Hinrunde als Tabellenführer. Ein Highlight war laut Schnelle der erste Sieg gegen Rekordmeister UHC Weißenfels in der Verlängerung: „Das hat uns Gänsehaut beschert.“
Seilnacht erklärt den Erfolg der Hinrunde wie folgt: „Wir haben einen tollen Kader, einen starken Teamspirit. Sicherlich hat auch der Neulings-Faktor in der Liga eine Rolle gespielt. Aber vor allem waren die Jungs hochmotiviert, sich gegen die etablierten Teams zu beweisen.“
In der Rückrunde wurde es schwieriger – viele knappe Niederlagen, nur zwei Siege. Umso bemerkenswerter war für das Trainerteam der Umgang damit: „Es ist nie Unruhe entstanden. Die Spieler sind sehr reif miteinander umgegangen, es gab keine Konflikte. Der Glaube war immer da, dass wir es im nächsten Spiel besser machen.“

Als Aufsteiger spielte der SC DHfK eine bemerkenswerte Saison. Ein Highlight: der Sieg in der Verlängerung gegen der Rekordmeister UHC Weißenfels. Foto: Laura Römer
Comeback-Qualitäten als Markenzeichen
Diese mentale Stärke, mit Rückständen umzugehen, sollte sich auch in den Playoffs auszahlen. Im Viertelfinale gegen Bonn verlor Leipzig das erste Spiel und musste auswärts zweimal gewinnen – mit Erfolg!
„Die Spieler haben über die Saison einen enormen Ruhepol entwickelt, wenn es um enge Partien und Rückstände geht. Das Vertrauen war immer da, Spiele noch drehen zu können“, beschreibt Seilnacht. Auch die Rolle als Herausforderer kam dem Team entgegen: „Wir hatten weniger Druck und konnten mit Freude spielen – das hat man gemerkt.“
Dass der SC DHfK mit seiner Premierensaison ligaweit Eindruck hinterlassen hat, zeigen auch zwei besondere Auszeichnungen: Cheftrainer Ruben Seilnacht wurde von der Liga zum „Trainer der Saison“ gewählt, Nachwuchsspieler Noah Wolbold (15) zum „Rookie der Saison“.
Wachsende Begeisterung für Floorball
Neben der sportlichen Entwicklung freuen sich die SC DHfK-Floorballer vor allem über die steigende Aufmerksamkeit und Begeisterung für ihren Sport. „Die letzten Wochen mit den Playoffs waren echte Highlights. Zu sehen, wie viele Menschen sich für unsere Spiele interessieren und uns auch auswärts unterstützen, ist etwas Besonderes. Dafür sind wir sehr dankbar“, so Seilnacht. „Da schlummert enormes Potenzial und ich würde mir für den Sport und uns sehr wünschen, dass wir das auf dem Level halten oder zukünftig sogar noch ausbauen können.“
Blick auf die neue Saison, Veränderungen im Kader
Auch, wenn sich Team und Trainerstab nach der langen intensiven Saison über die floorballfreie Zeit freuen, laufen die Planungen für die kommende Spielzeit bereits. Veränderungen im Kader stehen an: Einige junge Spieler werden für ein Jahr nach Finnland oder Tschechien wechseln. Mit Tuomas Hirn und Lukáš Lhota kehren zudem zwei Gastspieler in ihre Heimat zurück.
Ruben Seilnacht und Toni Schnelle sind trotzdem überzeugt, für die neue Saison ein starkes Team zusammenzustellen. Mit Juuso Suotula wird der Top Scorer des SC DHfK auch in der kommenden Saison für die Grün-Weißen auflaufen.
Die Saison hat eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial im Floorball beim SC DHfK Leipzig steckt. „Wir hoffen, den Zuspruch unserer Fans weiter ausbauen zu können und freuen uns auf die Entwicklung in den nächsten Jahren“, so Ruben Seilnacht und Toni Schnelle.















