Polskaman in Wolsztyn

Triathlon

Triathlon: Eine Langdistanz ist kein Wunschkonzert

Davon, dass eine Langdistanz kein Wunschkonzert ist, durften sich fern der Heimat am 21. August neben mir auch noch weitere Leipziger bzw. sächsische Triathlon-Freunde überzeugen, die sich vermutlich noch einen Tick professioneller vorbereiten als ich. Vielleicht hat es deshalb zehn Jahre gedauert, bis ich mich wieder einmal zu einem Unterfangen mit so ungewissem Ausgang motivieren konnte. Aber schlimmer als bei meinem letzten Versuch in Podersdorf 2012 konnte es ja beim Polskaman in Wolsztyn auf keinen Fall kommen.

Ausnahmsweise war ausgerechnet das Schwimmen noch das beste an diesem völlig verregneten und recht kühlen Sommertag. Dank einer neuen Extraboje betrug die Schwimmstrecke in diesem Jahr eine ganze Ecke mehr Meter als die offiziellen 3800 und trotzdem lag die Spitze nur rund acht Minuten vor mir. So viel verliere ich wenn es dumm kommt auf einer Olympischen Distanz, weshalb ich bei solchen schwimmlastigen Veranstaltungen schon lange nicht mehr mitmache. Nun hatte ich sage und schreibe 180+42 Kilometer vor mir, um diesen Rückstand aufzuholen. Nur leider wuchs der auf dem Rad noch weiter an, sodass auf der profilierten Wendepunkt-Laufstrecke, die zudem zur Hälfte unter Wasser stand, ein Marathon von deutlich unter drei Stunden hermusste, um da noch etwas zu richten. Und nach 12 Kilometern hatte ich tatsächlich schon vier Minuten auf Platz eins gutgemacht. Aber schon kurz darauf wurde es immer schwerer bzw. ganz unmöglich, das erforderliche Tempo zu halten. Ab Kilometer 24 ging nach vorne schließlich nichts mehr und bei 30 musste ich endgültig auf meinen treuen Bring-mich-ins-Ziel-Schnitt von um die 5min/km umstellen. Da kam ich dann nach 9 Stunden und 17 Minuten an und durfte mir meine Gedanken machen, warum es nur zu Platz 7 gereicht hat. Zumindest konnte ich mir kurz vor Mitternacht bei der Abschlussparty als kleinen Trost den Pokal für den Sieg in der AK 40-49 abholen. Aber bei Rennen ohne die beiden Leipziger Sportkammeraden Gernot Poerner und Marc Werner bekommt man den ja praktisch kampflos.

Zum Glück steckt man eine Langdistanz in meinem Alter schnell weg, denn keine Ausreden, weil Sonnenschein und einen der letzten richtig heißen Tage des Jahres gab es schon eine Woche später beim Sprint beim Silesiaman in Katowice. Nach passablem Schwimmauftakt konnte ich dort schon nach der ersten von drei Radrunden den begehrten Platz hinter dem Führungsmotorrad ergattern und ließ mit der zweitbesten Laufzeit des Tages dann nichts mehr anbrennen.

Jetzt konnte eigentlich die verdiente Saisonpause kommen, aber der verkorkste Marathon vom Polskaman saß schon ziemlich tief. Also rappelte ich mich am 11. September noch einmal auf und stand morgens um zehn beim City-Marathon in Ostrava an der Startlinie. Der weise Andreas Realert hat schließlich einmal gesagt, dass man sein LD-Lauftempo in einem Marathon auch ohne viel Federlesen durchhalten muss, sprich: mit links und 40 Fieber. Auch wenn es schwer viel, ließ ich das Feld erst einmal davonziehen und wartete geduldig auf die zweiten 21 Kilometer, auf denen ich dann tatsächlich beschleunigen und damit ordentlich Boden gut machen konnte. Bei Kilometer 38 überholte ich sogar noch die tschechische Kathrin Bogen, Seriensiegerin Petra Pastorová, die den Marathon in Ostrava organisiert. Am Ende kam ich nach 2.52.45h als fünfter recht zufrieden ins Ziel. Da meine Konkurrenten aus der Altherrenklasse 40-49 sich in ihrem jugendlichen Sturm und Drang am Anfang offenbar übernommen hatten, stand ich in dieser Wertung wieder ganz oben und konnte mich als Belohnung unter anderem über meinen ersten eigenen Akkuschrauber und 800 Kronen Preisgeld freuen. Für alle, die nicht wissen wie viel das ist: Dafür bekommt man in Ostrava in der Gastwirtschaft 16 Pilsner Urquell und gegen den kleinen Hunger zwischendurch zu jedem vierten noch eine Tüte tyčinky (Salzstangen). Das sollte bei entsprechender Grundlagenausdauer auf jeden Fall in einer soliden Sub9 machbar sein! (Kai Witzlack-Makarevich)