Nach der perfekten Olympia-Quali: SC DHfK-Radsportler Felix Groß im Interview

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Vor einer Woche ging für SC DHfK-Radsportler Felix Groß und den deutschen Bahnvierer ein Traum in Erfüllung. Bei der WM in Berlin machte das Quartett die Olympia-Quali perfekt. Auch in der Einerverfolgung präsentierte sich der 21-jährige Leipziger in starker Form und fuhr neue Bestzeit und nationalen Rekord. Im Interview spricht Groß über die anschließende Glück-wunsch-Flut, den Weg Richtung Tokio und das Kriterium-Rennen seines Vereins Ende März.

Im letzten Jahr noch Sieger beim 17. Kriterium-Rennen seines Vereins, in diesem Jahr mit Kurs Richtung Olympia: SC DHfK-Athlet Felix Groß. Foto: SC DHfK

Felix, eine Woche ist seit Eurer Olympia-Quali vergangen. Hast Du es schon richtig realisiert, dass Ihr diesen Sommer nach Tokio fahren werdet?

Felix Groß: Am Tag des Rennens ist es noch nicht richtig bei mir angekommen. Natürlich haben wir es gehört und gelesen, wollten uns aber noch auf das ausstehende Rennen fokussieren. Am nächsten Tag hat es schon langsam gefunkt, aber dann musste ich mich auch schon wieder auf mein Einzelrennen vorbereiten. Aber natürlich hat es mich enorm motiviert. Jetzt habe ich es schon mehr realisiert, auf dem Olympiaball habe ich auch darauf angestoßen. Aber so richtig verstehen werde ich es wahrscheinlich erst, wenn die Olympia-Einkleidung und die Termine beginnen.

Wie viele Glückwünsche haben Dich danach erreicht?


Das waren schon eine ganze Menge. Bei WhatsApp habe ich noch immer 32 offene Chats, bin leider noch nicht dazu gekommen, sie alle ausführlich zu beantworten. Auch Medienanfragen gab es viele, das hat schon Körner gezogen. Aber als Sportler ist es schön, dieses Interesse zu spüren und zu sehen, dass die Leistungen wahrgenommen werden.

Im ersten WM-Rennen seid Ihr als Vierer erneut deutschen Rekord gefahren und nur knapp daran gescheitert, die 3:50 Minuten zu unterbieten. Am Ende stand Rang 7. Zufrieden?

Ja, insgesamt schon. Im Halbfinale hat nicht viel gefehlt, die 3:50er Marke zu unterbieten, auch wenn am Ende eine Zeit von 3:53 Minuten stand. Unser erster Fahrer ist bei 3:48 Minuten ins Ziel gekommen. Leider hatte es den Vierer vorher schon zerrissen und es müssen ja mindestens drei über die Ziellinie fahren. Da war schon kurz eine kleine Enttäuschung da, aber wir sind ein Team und gewinnen und verlieren zusammen. Wichtig ist, dass bei Olympia alles klappt. Bis dahin werden wir noch viel im Training testen.

Wie geht es jetzt für Dich/Euch jetzt weiter?


Nach der WM hatte ich jetzt eine Woche mit geringerer Belastung, ab nächster Woche startet dann der Neuaufbau und bis Olympia werden wir noch in verschiedenen Trainingslagern Feintuning betreiben. Ich werde daneben aber auch viel individuell in Leipzig trainieren.

Nicht nur im Vierer, sondern auch im Einzel lief es bei Dir richtig gut. Neuer deutscher Rekord in der Einerverfolgung, Deine Bestzeit um vier Sekunden unterboten, WM-Platz 5. Würdest Du Deine aktuelle Form als die bisher beste Deiner Karriere bezeichnen?


Ja, ich denke schon. Ich fühle mich topfit und merke auch, dass da in der Zukunft noch einiges möglich ist. Etwa zwei Sekunden schneller zu sein als meine Bestzeit hätte ich schon erwartet. Dass es am Ende vier Sekunden waren und ich mit einer 4:08,9 Minuten ins Ziel gekommen bin, war dann doch krass – auch, wenn bedenkt, dass ich mit dieser Zeit im vergangenen Jahr sogar Vizeweltmeister geworden wäre. Im Rennen bin ich aber auch absolut an mein Limit gegangen, konnte danach nur mit Hilfe vom Rad absteigen und eine halbe Stunde nicht laufen.

Ihr habt den deutschen Rekord verbessert, Dänemark ist neuen Weltrekord gefahren. Auch im Einzel wurden viele Bestzeiten gefahren. Wie nimmst Du als Sportler diese aktuelle Rekordflut wahr?

Schon sehr bewusst. Wie sich die Zeiten in den vergangenen Jahren entwickelt haben, ist beeindruckend. Am Tag eines neuen Rekordes muss einfach alles passen: die Vorbereitung, die Form, die Bedingungen auf der Bahn. Die 3:44er-Zeit, die die Dänen gefahren sind, wird sicher erstmal eine Weile so stehen bleiben. Der Sprung dahin ist nochmal groß. Wir wissen aber auf jeden Fall, dass wir uns auch noch steigern können.