Marie Branser zur Olympia-Verschiebung: "Man war auf der Zielgeraden und plötzlich wurde das Ziel nach hinten verlegt"

Judo

Traurig über die Olympia-Verschiebung, aber supermotiviert für 2021: SC DHfK-Judoka Marie Branser. Foto: Mayorova Marina

Leipzig statt Tokio. Trainingslager statt Olympisches Dorf. Die Verschiebung der Olympischen Spiele von 2020 auf 2021 hat auch den sportlichen Plan unserer SC DHfK-Athletinnen und -Athleten durcheinandergewirbelt. Wie geht es unseren Olympia-Kandidaten emotional damit und wie und wo verbringen sie stattdessen die zwei Wochen vom 24.7. bis 9.8.? Wir haben bei einigen von ihnen nachgefragt. HEUTE: JUDOKA MARIE BRANSER, die seit 2019 für die Demokratische Republik Kongo startet.

Marie, welches Gefühl löst der Gedanke in Dir aus, jetzt nicht wie anvisiert und gehofft in Tokio bei den Olympischen Spielen sein zu können?


Marie: Natürlich bin ich supertraurig darüber, auch wenn es in der aktuellen Situation einfach die beste Entscheidung war und keiner etwas dafür kann. Dennoch habe ich ja auf das Ziel Olympia hintrainiert, viel Zeit und Geld investiert – vor allem für die Südamerika-Tour und die letzten zwei Weltcups, von denen einer wegen Corona ausfiel. So war man eigentlich auf der Zielgeraden und plötzlich wurde das Ziel weiter nach hinten gelegt. Je näher die Olympischen Spiele gekommen wären, desto häufiger habe ich schon darüber nachgedacht: Hey, du wärst jetzt wahrscheinlich schon auf dem Weg nach Tokio. Stattdessen sitzt du zu Hause und weißt nicht so richtig, wie es weitergeht.

Trotzdem bin ich optimistisch, dass die Spiele im nächsten Jahr stattfinden werden und bin supermotiviert, bis dahin alles zu geben und die Zeit sinnvoll zu nutzen. Denn das Positive ist: Wir haben jetzt ein Jahr mehr Zeit, uns optimal darauf vorzubereiten.

Was steht im Zeitraum der Olympischen Spiele (24.7.-9.8.) stattdessen bei Dir an?


Bis Anfang August werde ich in Leipzig sein und viel trainieren. Die Olympia-Verschiebung gibt mir die Möglichkeit, viel Grundlagentraining zu absolvieren – im physischen und psychischen Bereich – und hohe Trainingspensen zu fahren, die ich als Judoka in normalen Wettkampfzeiten häufig gar nicht schaffe. Anschließend geht es für eine Woche ans Meer nach Italien. Es ist das erste Mal, dass ich Leipzig seit der Coronazeit verlasse. Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal für so einen langen Zeitraum durchgängig hier war.

Wie klein oder groß ist der Fokus aktuell bei Dir schon auf Olympia 2021?


Natürlich ist der Fokus jetzt auf 2021 gelegt. Er ist aber nicht vergleichbar mit dem, den ich noch Anfang dieses Jahres hatte. Immerhin ist es noch ein Jahr bis zu den nächsten Olympischen Spielen. Aber das Ziel steht und das visualisiere ich mir auch jeden Tag, um diese Zeit so gut wie möglich zu überstehen und Ziele zu haben. Auch die aktuelle Wettkampfplanung für dieses Jahr ist noch relativ wacklig. Ende November sind die Afrikanischen Meisterschaften geplant, aber das ist noch nicht sicher.