Felix Groß blickt auf fantastisches Jahr zurück / Voller Fokus auf Weltcups und Olympia-Quali

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Erste Medaille bei der Bahnrad-EM der Elite, Titelverteidigung bei der U23-EM, drei Medaillen – davon zwei goldene – bei den Deutschen Meisterschaften – und das mit gerade einmal 21 Jahren. Für Felix Groß, Bahnrad-Spezialist des SC DHfK Leipzig, lief es in diesem Jahr richtig gut. Und das soll noch lange nicht das Ende sein. Mit dem deutschen Bahnradvierer verbesserte er erst jüngst beim Weltcup-Auftakt den nationalen Rekord. Ab dem 28.11. geht es in Hongkong um weitere wichtige Olympia-Quali-Punkte.

Vertraute Umgebung für Felix Groß: Auf der Leipziger Radrennbahn drehte der 21-Jährige bereits viele Runden. Quelle: SC DHfK Leipzig

Leipzig. Wenn man Felix Groß nach seinem Ausgleich zum Radfahren fragt, dann muss der junge Leipziger erst einmal überlegen. Nach einer kurzen Pause antwortet er: „Für mich gibt es wirklich nur das Fahrrad fahren.“ Für andere Hobbys, so Groß, bleibe nicht mehr viel Zeit. Doch so, wie es der 21-Jährige erzählt, wirkt es in keiner Form bedauernd. „Ich lebe quasi mit und für das Radfahren“, sagt er – und man nimmt es ihm einhundertprozentig ab.

Jeden Tag mehrere Stunden auf dem Rad beim Straßentraining im Frühjahr, an anderen Tagen unzählige Runden auf dem Bahnoval im Trainingslager in Frankfurt/Oder. Felix Groß weiß, wofür er so hart trainiert und es zahlt sich aus. „Das waren schon zwei ziemlich gute Jahre“, blickt der SC DHfK-Sportler, der für das Profiteam Heizomat rad-net.de startet, zurück. „Dass ich jetzt schon den Anschluss bei den Männern geschafft habe und mich mit den Besten der Welt auf der Bahn messen darf, fühlt sich super an und bestätigt die Leistungen im Training.“ Die erste EM-Bronzemedaille bei der Elite unterstreicht seine Entwicklung eindrucksvoll.

Nach Fußball und Leichtathletik funkte es bei Groß beim Radsport

Neben der harten Trainingsarbeit bringt der sympathische Blondschopf jedoch auch beste körperliche Voraussetzungen mit – vielleicht ja von Papa Mike Groß, der einst selbst im Straßen-Vierer fuhr und Deutscher Vizemeister wurde: Abgesehen von seiner Ausdauerfähigkeit hat Groß Junior nämlich auch extrem schnelle Beine für Sprints. Diese stellte er im August bei den Deutschen Meisterschaften unter Beweis, als er so manchen gelernten Sprinter überraschte und Silber im 1000 Meter Zeitfahren holte.

Doch Sportsoldat Groß kann nicht nur schnell Rad fahren. „Mein Heimtrainer Professor Dietmar Junker sagt, ich hätte aufgrund meiner Sprungkraft auch Stabhochspringer werden können.“ In der Leichtathletik war er in der Grundschule parallel zum Radfahren aktiv. Und auch am runden Leder probierte sich Groß aus. „Ich war ein ganz guter Fußballer, muss ich zugeben“, sagt der ehemalige Miltitzer Stürmer und lacht. Und während er das erzählt, kann man sich bestens vorstellen, wie seine Mitspieler den flinken Linksfüßer mit Laufpässen in die Spitze geschickt haben müssen. Nun legt Felix Groß seine Schnelligkeit auf die Bahn und ist froh, dass es so gekommen ist. Sein Bruder Franz, ebenfalls Radprofi, übrigens auch: „Mein bisher größter Erfolg ist es, meinen Bruder Felix zum Radsport gebracht zu haben. Denn ohne mich wäre er heute bestimmt noch Fußballer. Er musste aber damals meinetwegen mit zum Probetraining und ist seither nicht wieder abgestiegen vom Fahrrad“, sagte er in einem Interview. Athletiktrainer Steffen Matthes vom SC DHfK Leipzig arbeitet weiter an Felix Groß‘ besonderen Fähigkeiten.

Groß' Ziel mit dem deutschen Bahnrad-Vierer: Olympia 2020

Und die sind auch gefragt, denn mit dem Bahnradvierer steckt er mitten in der Weltcup-Saison, um wichtige Punkte für die Olympia-Quali zu sammeln. „Die Olympischen Spiele muss man wenigstens einmal mitgemacht haben, wenn man die Chance dazu hat“, sagt Groß und schiebt hinterher: „Die Atmosphäre dort muss schon besonders und nochmal ganz anders sein als beispielsweise bei einer WM oder EM.“

Laut aktuellem Stand (27.11.2019) wäre Groß mit dem deutschen Bahnradvierer für Tokio 2020 qualifiziert – im Ranking der 4000 Meter-Mannschaftsverfolgung belegen sie derzeit Platz 5, die besten Acht starten bei Olympia – doch bis zur Heim-WM Ende Februar 2020 in Berlin werden noch wichtige Punkte für die Olympia-Quali vergeben. Sechs Weltcups stehen auf dem Programm, die besten drei zählen ins Ranking hinein. Zum Weltcup-Auftakt verbesserte Groß mit dem Vierer gleich zweimal den deutschen Rekord, unterlag im kleinen Finale in 3:52,685 Minuten gegen Italien. „Wir haben uns im Turnier zweimal gesteigert, sind sehr stark gefahren und mit Platz vier mehr als zufrieden“, so Groß.

Nächster Bahn-Weltcup Ende November in Hongkong

Beim Weltcup in Glasgow kam die zweite Reihe zum Einsatz (Platz 8), während sich Groß und Co. im Trainingslager auf Mallorca auf die restliche Weltcup-Saison vorbereiteten. Am 28. November steht das nächste Rennen in Hongkong auf dem Plan. Weitere Weltcups in Australien und Kanada folgen für das deutsche Team bis Ende Januar. „Das wird nochmal kräftezehrend und eine Menge Reisestress, aber wir wissen, wofür wir das machen und wohin wir wollen“, so Groß.


RÜCKBLICK 2019 - FELIX GROß ÜBER:
 

  • die WM im Februar (seine zweite bei den Männern): „Mit dem Vierer auf Platz 5 zu fahren, war eine sehr gute Leistung und hat uns wichtige Punkte für die Olympia-Qualifikation gebracht. In der Einerverfolgung hatte ich leider keinen guten Tag erwischt (Platz 11, Anm. d. Red.). Dennoch habe ich auch dadurch wichtige Erfahrungen gesammelt. Es war dennoch etwas enttäuschend – gerade nach Platz 5 im Vorjahr.“

  • die U23-EM im Juli: „Den Titel in der Einerverfolgung zu verteidigen, war ein wichtiges Ziel von mir und es freut mich umso mehr, dass es mir gelungen ist. Das war sehr gut für den Kopf und das Selbstvertrauen. Der Sprung zu einer Männer-EM oder WM ist dann aber schon nochmal etwas anderes. Dennoch habe ich ihn geschafft und blicke auf eine superschöne Zeit in der U23 zurück, auch wenn ich noch ein Jahr habe.“

  • die DM im August (2xGold, 1xSilber – erste Medaillen im Einzel): „Die DM war wirklich sehr, sehr erfolgreich und ein schöner Motivationsschub für die EM. Ich hatte schon im Trainingslager gemerkt, dass ich richtig gut drauf bin und schnelle Zeiten fahren kann. Als Ausdauerspezialist auch im Sprint eine Medaille zu holen, hat mich sehr gefreut. Manche Sprinter unterschätzen, dass Ausdauerfahrer auch so schnell unterwegs sein können. Ich bin sehr glücklich, dass ich beide Fähigkeiten mitbringe und möchte sie in den nächsten Jahren gerne noch weiter ausbauen.“

  • die EM im Oktober: „Die Bronzemedaille im Einzel war mein größter Erfolg in diesem Jahr sowie meiner Karriere. Mein Ziel ist es, in den nächsten Jahren noch weiter vorne anzugreifen. Auch die 3:52er Zeit – neuer deutscher Rekord – mit dem Bahnradvierer war mega, auch wenn sogar eine noch schnellere Zeit möglich gewesen wäre. Aber das motiviert uns sogar noch mehr, weiter Gas zu geben.“